300 Experten am Spielfeldrand

Die Volleyball-Cupachtelfinals mit Berner Beteiligung fanden alle unter einem Dach statt. In Worblaufen sahen die Zuschauer keine Überraschungen – die Favoriten setzten sich allesamt durch.

Volley Muri Bern kämpfte zum Auftakt gegen das starke NLA-Team von NUC. Pamela Lanz versucht, am Neuenburger Block vorbeizukommen. Bild: Raphael Moser

In der Turnhalle Altikofen in Worblaufen herrscht Hochbetrieb. Netzhöhen werden auf den Millimeter genau ge­messen, Bänke aufgestellt, das Buffet wird hergerichtet – wie viele Zuschauer wohl kommen mögen? Gespannt wartet man auch auf das Eintreffen der sechs Equipen, die in derselben Halle nacheinander ihre Cupachtelfinals bestreiten werden.

Als Erstes trifft das Frauen-NLA-Team aus Neuenburg in Worblaufen ein. Die Neuenburgerinnen spielen gegen die Erstligis­tinnen von Muri, eine klare Sache, müsste man annehmen. In allen drei Durchgängen vermag der Aussenseiter aus Bern dem Oberklassigen aber Paroli zu bieten und führt zu Beginn der Sätze jeweils.

Jeder Punkt der Bernerinnen wird gebührend gefeiert von über 150 Zuschauern, die sich bereits zur ersten Partie in der Spielstätte eingefunden haben. Im Verlauf der Durchgänge treten die Unterschiede der beiden Equipen deutlicher zum Vorschein.

Vor allem der kanadischen und amerikanischen Angriffspower von NUC hat Muri wenig entgegenzusetzen. Obwohl das Spiel nach drei Sätzen klar zugunsten der Neuenburgerinnen endet, kann sich das Resultat durchaus sehen lassen. Im dritten Durchgang gelingen Muri nämlich 21 Punkte.

«Über 20 Punkte gegen ein so starkes Team zu erreichen, freut mich wirklich sehr», erzählt Muris Mittel­angreiferin Sophie Altermatt, die ihre Gegenspielerinnen mit ihrem Block- und Angriffsspiel immer wieder vor Probleme gestellt hat.

Nun sind die Männer an der Reihe. Mittlerweile drängen sich gut 300 Personen sehr nah ums Spielfeld, denn sie wollen das Heimteam, Volley Papiermühle aus der ersten Liga, gegen die NLB von Uni Bern unterstützen.

Von der harmonischen Stimmung zuvor beim Frauenspiel ist sofort nicht mehr viel zu spüren: Das Testosteron wird hochgefahren, das Territorium abgesteckt und die Lautstärke erhöht. Der Erste der NLB pfeffert dem Leader der ersten Liga die Bälle um die Ohren, doch die Aussenseiter lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und kontern.

Kleine Unachtsamkeiten beim Erstligisten sichern Uni Bern schliesslich aber die beiden ersten Durchgänge. Auch im dritten Satz bleibt es lange ausgeglichen. Papiermühle wehrt sich nach Kräften und bringt viele Bälle zurück, muss sich am Ende aber doch mit 0:3 (21:25, 15:25, 22:25) geschlagen geben. «Unser Gegner konnte wirklich sehr lange mithalten», befindet der Captain von Uni Bern, Jan Wenger, nach dem Spiel anerkennend.

Auch der Captain von Papiermühle sieht es ähnlich, aber: «Ein kleiner Beigeschmack bleibt. Wenn man in zwei Durchgängen so nahe kommt, wäre ein Satzgewinn möglich gewesen», sagt Tino Jenal. Und er ergänzt mit einem Schmunzeln: «Im dritten Satz haben wir Uni ein bisschen nervös gemacht, bei einigen habe ich ein kleines Schlottern bemerkt.»

Die allermeisten Zuschauer harren für die dritte Partie aus, denn auch diese findet mit Berner Beteiligung statt. Für die NLB-Herren von Münchenbuchsee ist der Dritte der NLA aus Lausanne aber ein gar harter Brocken. Staunend nehmen die Besucher die kraftvollen Angriffe der Lausanner zur Kenntnis, die von den Bernern nicht gekontert werden können.

«Wenigstens haben wir unser Ziel erreicht und in jedem Satz mehr als zehn Punkte gemacht», sagt Christian Roth, Diagonalangreifer von Münchenbuchsee. Mehr sei gegen eine solche Mannschaft nicht realistisch gewesen.

Der Nachmittag neigt sich langsam dem Ende zu, die Zuschauer bleiben aber noch ein wenig da und fachsimpeln über die Unterschiede zwischen den Teams, über gute Spielzüge oder kritische Punkte. «Solche Anlässe sollten häufiger auf die Beine gestellt werden», findet Michel Chaperon, Präsident von Volley Papiermühle.

Die Organisation mit den drei unterklassigen Berner Vereinen sei unkompliziert gewesen, die Einnahmen würden aufgeteilt. «So soll es sein. Es muss nicht immer jeder nur für sich schauen», sagt er. Chaperon ist froh, dass all die organisatorischen Dinge reibungslos ge­klappt haben.

Über die vielen Zuschauer freut er sich am meisten. «Auch wenn die Begegnungen auf dem Papier alle relativ klar waren, sind trotzdem so viele von A bis Z in der Halle ge­blieben.» (Berner Zeitung)

Annic Berset

Erstellt: 10.01.2017, 11:13 Uhr